Markus Michaels Zeitblick ist ein vielschichtiger Zeitreiseroman, der historische Erzählung, Bildungsroman und autobiografische Reflexion miteinander verbindet.
Sein Protagonist bewegt sich durch unterschiedliche Epochen und begegnet historischen Persönlichkeiten sowie politischen Umbrüchen von Paris 1968 bis nach Mexiko und Kambodscha.
Besonders reizvoll ist der Blick eines Menschen aus der Zukunft auf die materielle, soziale und moralische Fremdheit vergangener Welten.
Michael verbindet kenntnisreiche historische Details mit Reisebeobachtungen, kulturellen Exkursen und einer offenen Darstellung homosexueller Identität.
Die Ich-Stimme wirkt gebildet, ironisch und neugierig, zugleich aber gelegentlich selbstgefällig und abschweifend.
Zahlreiche Illustrationen und dokumentarische Bezüge verstärken den Eindruck einer erfundenen historischen Quelle.
Mitunter überlagert die Fülle an Schauplätzen, Persönlichkeiten und Hintergrundwissen die dramatische Entwicklung der Handlung.
Auch explizite sexuelle Passagen können den historischen Erzählfluss für manche Leser unvermittelt unterbrechen.
Zeitblick bleibt dennoch ein ambitionierter, gelehrter und origineller Roman über Geschichte, Identität und die Frage, wie sehr unsere Gegenwart vom Blick auf die Vergangenheit abhängt


