Heute besprechen wir das Buch Gewitter im Kopf von Agnes Pechtl, erschienen beim Verlag Europa Buch. Wir präsentieren hier ein Interview mit der Autorin des Buches, um die persönlichen Aspekte und die wichtigsten Erfahrungen zu verdeutlichen, die in diesem Text verdichtet sind. Wir besprechen auch die wichtigsten Themen, die die Autorin im Laufe ihres Schreibens anspricht und die sie mit ihren Leserinnen und Lesern teilen möchte.
Hier ist das Interview mit der Autorin: viel Spaß beim Lesen!
- Welche Themen und Inhalte werden von Ihnen in dem Buch angesprochen?
Das Buch handelt von meinem Leben mit einer bipolaren Störung. Es werden vor allem meine persönlichen Erfahrungen mit der Krankheit thematisiert. Wie man sich fühlt, wenn man meint man ist die Größte und wenige Monate später fühlst du dich wie ein Nichts. Ich wollte mit dem Buch vermitteln und deutlich machen, dass Dinge – von denen manche Menschen meinen sie existieren nur in deinem Kopf – dein Leben nachhaltig ändern und prägen können. Daneben habe ich auch versucht die Seite der Angehörigen zu schildern. Wie es einem geht, wenn man „so einen Menschen“ in seinem Leben hat. Ich habe Jahre lang unter der Krankheit gelitten und tue es immer noch. Aber mittlerweile habe ich mich damit arrangiert und kenne mich durch die bipolare Störung auch irgendwie selbst besser. Ich versuche Warnzeichen zu erkennen und – wenn möglich – gegen zu steuern.
- Wer sollte dieses Buch unbedingt lesen? Was möchten Sie ihm oder ihr vermitteln?
Das Buch ist sowohl für Betroffene selbst, als auch für deren Angehörige. Ich möchte einen ehrlichen Einblick in das Leben mit dieser Erkrankung geben und ich denke, das ist mir ganz gut gelungen. Ich möchte nichts schön reden oder gar beschönigen. Ich möchte Betroffenen damit Mut machen – du bist mit dieser Sache nicht alleine auf der Welt. Auch wenn man sich in depressiven Phasen immer alleine fühlt. Und ich möchte vermitteln, dass es wichtig ist über die Krankheit zu reden. Je mehr dein Umfeld Einblick in diese persönlichen Tragödien bekommt, desto mehr können sie dich dabei unterstützen damit klar zu kommen. Trotzdem oder gerade deswegen gibt es immer wieder Stolpersteine. Du kämpfst mit dir selbst und deinem Umfeld. Das Wichtigste ist nicht aufzugeben. Denn das Leben ist lebenswert, auch mit einer solchen Erkrankung. Und das möchte ich gerne weitergeben.
- Wann und warum haben Sie sich entschieden, dieses Buch zu schreiben?
Die Entscheidung war eher eine spontane Sache. Ich hatte nicht schon ewig geplant, ein Buch zu schreiben (so wie man das oft hört oder liest). Ich war an einem Punkt in meinem Leben an dem ich mir gedacht habe, es wird Zeit mein „Wissen“ sinnvoll einzusetzen und weiterzugeben. Niemand kennt einen so gut wie man sich selbst. Ich habe Jahre lang gebraucht um die Krankheit zu verstehen oder bin immer noch dabei das zu lernen. Da die bipolare Störung immens viele Facetten hat, ist das auch gar nicht so leicht. Du meinst es geht dir gut und einen Monat später bist du schwer manisch. Es ist eigentlich unglaublich wie das alles so vor sich geht. Um das Betroffenen und Angehörigen näher zu bringen, habe ich dieses Buch geschrieben.
- Welche Emotionen möchten Sie mit Ihrem Buch bei den Lesern hervorrufen?
Das Buch ist recht schonungslos und erzählt ehrlich von Höhen als auch Tiefen. Ich denke es wird all jene berühren, die sich denken „ich weiß von was diese Frau da erzählt“ und auch alle Angehörigen von Betroffenen, die so möglicherweise einen Weg finden besser damit klar zu kommen, dass einer ihrer Lieblingsmenschen an dieser Krankheit leidet. Ich habe auch schon einige Emotionen miterlebt, dass das Schreiben dieses Buches hervor gerufen hat. Von Komplimenten über Mitleid und Respekt mich das zu trauen und so ehrlich darüber zu berichten. Wovon mir Mitleid wohl das wenig liebste ist. Ich will mit diesem Buch niemandem leid tun, es geht so viele die – oft still – darunter leiden. Und da es sich nicht um einen Liebesroman handelt, denke ich, dass wie erwähnt vor allem jene Menschen davon profitieren können, die selbst erkrankt sind oder jemanden kennen, der darunter leidet.
- Wie haben Ihr Freundeskreis, Ihre Bekannte oder Ihre Familie auf die Buchsveröffentlichung reagiert? Stehen schon neue Projekte an?
Mein Freundeskreis und meine Familie gehen mit meiner Erkrankung so gut wie möglich um. Und auch ich versuche damit möglichst transparent umzugehen, damit auch sie wissen woran sie sind und wie es mir momentan gerade geht. Bei dieser Erkrankung ist man nämlich Weltmeister darin, seine wahren Gefühle zu „verheimlichen“. Viele meiner nahestehenden Personen haben sehr positiv auf die Veröffentlichung reagiert. Ich hätte auch kein Problem damit, wenn es nicht so wäre, aber natürlich freut es mich, dass meine Familie stolz auf mich ist, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Und ja, es stehen schon neue Projekte an. Jedoch ohne Stress und dieses Mal zu einem erfreulicheren Thema – der Liebe.
Wir danken der Autorin für die Beantwortung unserer Fragen und die Hilfe, den Text und die damit verbundenen Erfahrungen auf den Kern zu bringen. Gewitter im Kopf von Agnes Pechtl, erschienen beim Verlag Europa Buch, verdient es, aufmerksam gelesen und genossen zu werden, weil das neue Perspektiven und Wahrnehmungsmöglichkeiten eröffnet.


