Julian Oestreichs Unterwegs begegnen wir uns ist ein vielstimmiger Episodenroman über Fußball, Zugehörigkeit und die Suche nach menschlicher Nähe.
In siebzehn miteinander verbundenen Geschichten begleitet der Autor Fans von Hertha BSC auf ihren Reisen durch Deutschland.
Dabei wird der Fußball zum sozialen Brennglas, in dem Freundschaft, Familie, Einsamkeit, Integration und gesellschaftliche Vorurteile sichtbar werden.
Oestreich schildert die widersprüchliche Fankultur mit großer Sachkenntnis, ohne ihre Rituale, Aggressionen und Ausgrenzungsmechanismen zu beschönigen.
Besonders überzeugend sind die Figuren, deren persönliche Krisen sich mit der Hoffnung und den Niederlagen ihres Vereins verbinden.
Die Sprache ist gegenwartsnah, dialogisch und von Berliner Alltagsbeobachtungen geprägt.
Mitunter geraten die ausführlichen Fußballreflexionen und historischen Exkurse gegenüber der Handlung zu dominant.
Gerade die genaue Milieuschilderung verleiht dem Buch jedoch Authentizität und emotionale Glaubwürdigkeit.
Unterwegs begegnen wir uns ist ein engagierter Roman darüber, wie Menschen auf Reisen, in Stadien und in Momenten des Scheiterns zueinanderfinden.


