Thorsten Rauwolfs Roman Nie wieder Krieg setzt 1984 an, in einem Sommer zwischen Schwimmbad, Schulstress und der diffusen Angst vor Atomkrieg. Der fünfzehnjährige Peter Müller soll für eine Projektwoche „Heldentaten“ seiner Familie zum Kriegsende recherchieren – und prallt dabei auf eine Mauer des Schweigens. Je mehr er fragt, desto deutlicher wird: Was als heroische Erinnerung verkauft werden soll, ist in vielen Familien vor allem Hunger, Flucht, Scham und das, was man lieber nicht ausspricht. Rauwolf erzählt diese Spurensuche als Coming-of-Age-Geschichte, in der sich politische Großwetterlage, Dorfleben, erste Liebe und moralische Fragen ineinander verschränken. Besonders stark ist der Roman dort, wo er die Nachkriegszeit entromantisiert: Überleben ersetzt Pathos, Ambivalenz ersetzt klare Rollen. Die Sprache bleibt zugänglich und szenisch, oft mit leiser Ironie, die Peters Ungeduld und Gerechtigkeitssinn spiegelt. Zugleich gewinnt das Buch an Tiefe, wenn es zeigt, wie Erinnerung als Familienmacht wirkt – selektiv, verletzend, manchmal befreiend. Nie wieder Krieg ist damit weniger ein historischer Roman als ein Text über das Erben von Geschichten: über das, was erzählt wird, und über das, was eine Generation erst mühsam ans Licht holen muss.


