Carola Elvira Pickerts Flügelgetragen – Wer kann schon von Schuld sprechen ist ein sehr persönliches Erinnerungsbuch über Trauer, familiäre Verletzungen und den mühsamen Weg zur Versöhnung.
Ausgangspunkt ist der Tod der Mutter auf der Intensivstation, von dem aus sich die Erzählerin in ihre Kindheit und Familiengeschichte zurückbewegt.
Besonders eindringlich sind die warmen, detailreichen Erinnerungen an Oma Frieda, deren Geborgenheit im Bild des „Flügelgetragen-Seins“ fortlebt.
Die Sprache ist unmittelbar, mündlich geprägt und bewahrt regionale Wendungen ebenso wie humorvolle Alltagsszenen.
Dadurch entsteht weniger eine streng komponierte Autobiografie als ein lebendiges Familienalbum aus Bildern, Gerüchen und Stimmen.
Neben heiteren Episoden stehen Erfahrungen von emotionaler Distanz, Schuldgefühlen und nicht erfüllter Mutterliebe.
Mitunter wirken die Erinnerungen sehr ausführlich und assoziativ, doch gerade diese Offenheit verleiht dem Text Glaubwürdigkeit.
Die zentrale Stärke des Buches liegt in seiner Bereitschaft, Schmerz nicht anzuklagen, sondern nach Verständnis und Vergebung zu suchen.
Flügelgetragen ist ein berührendes Lebenszeugnis darüber, wie Erinnerung zur inneren Heimat und Versöhnung zu einer Form von Freiheit werden kann.


