Sandra Vogts Dornenprinzessin ist ein düsterer Psychothriller, der persönliche Traumatisierung mit einer ritualisierten Mordserie verbindet.
Im Mittelpunkt steht Ella, deren Leben durch ein Gewaltverbrechen während einer Klassenreise nach Rügen dauerhaft geprägt wird.
Achtzehn Jahre später arbeitet sie als forensische Psychologin und ermittelt gemeinsam mit Kommissar Dreitt gegen einen Serienmörder, der seine Opfer in Museen inszeniert.
Besonders wirkungsvoll ist die Verbindung der Morde mit den Todsünden und Dantes Göttlicher Komödie.
Vogt erzeugt eine intensive, beklemmende Atmosphäre und zeigt, wie verdrängte Erinnerungen in die Gegenwart zurückkehren.
Die Symbolik der Dornenkrone bündelt dabei Schuld, religiöse Prägung, Verletzung und Überlebenswillen.
Mitunter setzt der Roman sehr ausführlich auf drastische Gewaltdarstellungen, wodurch die psychologische Wirkung stellenweise hinter dem Schockeffekt zurücktritt.
Auch einzelne Dialoge und Erklärungen könnten stärker verdichtet sein.
Dornenprinzessin ist dennoch ein spannungsreicher, konsequent düsterer Kriminalroman über Trauma, religiösen Wahn und die Macht einer lange verborgenen Wahrheit.


