Heute besprechen wir das Buch Typhons Rache von Rudolf Oeller, erschienen beim Verlag Europa Buch. Wir präsentieren hier ein Interview mit dem Autor des Buches, um die persönlichen Aspekte und die wichtigsten Erfahrungen zu verdeutlichen, die in diesem Text verdichtet sind. Wir besprechen auch die wichtigsten Themen, die der Autor im Laufe seines Schreibens anspricht und die er mit seinen Leserinnen und Lesern teilen möchte.
- Welche Themen und Inhalte werden von Ihnen in dem Buch angesprochen?
Wer es wagt, unbekannte Grenzen zu überschreiten, kann damit Erfolg haben. Er muss aber auch damit rechnen, ins Verderben zu laufen und einen hohen Preis dafür zu bezahlen. Wer nach einem Misserfolg oder einer vermeintlichen Ungerechtigkeit Rache plant, muss immer einen hohen Preis dafür zahlen. In meinem vorletzten Buch Typhon District wurde eine Grenze überschritten. Es gab Tote und Vermisste. In meinem neuen Buch Typhons Rache planen zwei Überlebende, nach den Ursachen und den Urhebern der Katastrophe zu suchen und sich zu rächen. Die beiden Freunde Ben (ein Deutscher) und Mo (ein litauischer Jude) leben in einem US-Zeugenschutzprogramm. Sie sind erfolgreiche Genetiker, denen ein Jahrhundert-Forschungsprojekt gestohlen wurde. Sie reisen durch Europa, Asien und die USA und finden die Drahtzieher. Sie erkennen, dass ihr Gentechnik-Projekt heimlich weitergeführt wird, und planen Rache. Sie ahnen nicht, dass das Grauen auf sie wartet.
- Wer sollte dieses Buch unbedingt lesen? Was möchten Sie ihm oder ihr vermitteln?
Mein neues Buch ist eine Fortsetzung von Typhon District, kann aber auch gelesen werden, ohne die vorangegangene Geschichte des Untergangs eines großen wissenschaftlichen Projekts zu kennen. In meinem neuen Buch geht es um das alte Thema der Rache und den Weg in das Verderben, der immer mit Rache verbunden ist.
Mein neues Buch ist ein „Crossover“ aus Sachbuch und Thriller, wobei aktuelle Ereignisse in der Geschichte berücksichtigt werden.
Die Präsidenten Wladimir Putin und Xi Jinping trafen sich anlässlich des 80. Jahrestages der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg. Über ein zufällig offenes Mikrophon wurde ein Gesprächsthema bekannt. Putin und Xi Jinping unterhielten sich über Fortschritte in der Biotechnologie, Organtransplantationen und die Möglichkeit, dass Menschen künftig bis zu 150 Jahre alt werden könnten.
“Mit der Entwicklung der Biotechnologie können menschliche Organe immer weiter transplantiert werden. Menschen werden immer jünger und jünger und können sogar Unsterblichkeit erlangen”, sagte Putin zu seinem chinesischen Amtskollegen.
Dieses Thema – der Traum vom längeren oder gar ewigen Leben im Diesseits – spielt in Typhon District bereits eine zentrale Rolle und wird in Typhons Rache weitergeführt, wobei ich diesmal die Präsidenten Trump und Putin in die Handlung eingebaut habe.
Ein Thema, das mich immer wieder umtreibt, ist auch die pauschale Verurteilung von Menschengruppen und Völkern. Besonders der wachsende Antisemitismus macht mir Sorgen. Ich habe die zweite Figur (Moses Lurija) absichtlich als Jude erscheinen lassen. Zusätzlich habe ich im Kapitel „Juden“ die kulturelle und wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Juden hervorgehoben und das Thema in die Handlung eingebaut. Bereits im Vorgängerbuch Typhon District wird Moses Lurija attackiert, weil er Jude ist.
- Wann und warum haben Sie sich entschieden, dieses Buch zu schreiben?
Nachdem mein Buch Typhon District, das im Sommer 2024 im gleichen Verlag erschienen ist, von Freunden und Bekannten gelesen worden war, wurden Stimmen laut, dass der schreckliche Schluss nicht befriedigend sei. Zu viele Menschen mussten ihr Leben lassen oder verschwanden. Nur wenige konnten sich durch Flucht retten. Ich wurde gefragt, wer die Katastrophe verursacht haben könnte, was mit den Kindern geschehen ist, von denen am Ende nur das Foto eines Grabes in Kambodscha übriggeblieben ist, und wer die Hintermänner der Verbrechen waren.
Ich hatte nicht an eine Fortsetzung von Typhon District gedacht. Als Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde, und seine Sympathie für Wladimir Putin immer offensichtlicher wurde, entstand in meinem Kopf eine vage Fortsetzung. Als mich eine begeisterte und neugierige Leserin von Typhon District fragte, ob einige der verschwundenen Personen noch am Leben seien, und hinter all den Verbrechen nicht nur eine Person, sondern eventuell eine internationale Verschwörung stecke, entstand in wenigen Minuten in meinem Kopf die gesamte Handlung von Typhons Rache. Ich begann am 6. Jänner 2025 mit dem Manuskript und beendete es Mitte Juli. Meine zuvor erschienenen vier Bücher hatten mich deutlich mehr Zeit gekostet.
- Welche Emotionen möchten Sie mit Ihrem Buch bei den Lesern hervorrufen?
Mein neues Buch ist mein leidenschaftlichstes. In keinem meiner rund 1.500 Kolumnen in verschiedenen Medien stecken so viele Emotionen wie in Typhons Rache. Es wurden schon viele Bücher über Wagnis, Rache und Verderben geschrieben wie etwa Moby Dick, 20.000 Meilen unter dem Meer, Der Graf von Monte Christo, Erbarmen (Jussi Adler-Olsen) und zahllose andere. Ich greife diese Themen ebenfalls auf und lege die Geschichte in unsere Tage, wobei ich auf moderne Wissenschaften und aktuelle Ereignisse Bezug nehme.
Im Vorgängerbuch Typhon District baut sich die Spannung langsam auf und strebt erst im Schlussteil einem Höhepunkt entgegen. Im neuen Buch Typhons Rache gehe ich schon im ersten Kapitel mitten ins Geschehen, und lasse den Leser bis zum Schluss nicht mehr in Ruhe. Die Geschichte mündet – wie in einer griechischen Tragödie – unabwendbar in eine Katastrophe.
Kurz bevor ich mit dem Buch begann, war ich in New Orleans. Aus diesem Grund beginnt mein neues Buch in der Bourbon Street in New Orleans. Vor einigen Jahren war ich in Kambodscha und sprach in Phnom Penh mit einem der wenigen Überlebenden des kommunistischen Konzentrationslagers „S-21“. Seine schlimmen Erlebnisse habe ich (in veränderter Form) in Typhons Rache verarbeitet. Ich bin damit meinem lebenslangen Prinzip der radikalen Ablehnung politisch extremer Positionen treu geblieben.
Mehrere Leser haben mir bestätigt, dass sie bei der Lektüre von Typhon District nicht mehr wussten, wo echte Wissenschaft aufhört, und Science-Fiction beginnt. Ich wurde mehrmals gefragt, ob dies oder jenes Detail nun „echt“ oder erfunden sei. Diesem Prinzip bin ich in Typhons Rache treu geblieben. Die Grenzen zwischen Tatsachen und Fiktion verschwimmen und lassen die Leser etwas ratlos zurück. Mein neues Buch soll daher an einen großen Satz von Norman Mailer erinnern: „Was heute als Science-Fiction beginnt, kann morgen schon als Reportage zu Ende geschrieben werden.“
Wunsch nach Rache, Politik, Spannung, Verwirrung und Grauen gehen in Typhons Rache nahtlos ineinander über.
- Wie haben Ihr Freundeskreis, Ihre Bekannte oder Ihre Familie auf die Buchsveröffentlichung reagiert? Stehen schon neue Projekte an?
Die einzige Kritik, die mein letztes Buch Typhon District hervorgerufen hat, bezog sich auf die vielen verschiedenen handelnden Personen. Auch die Bezüge auf die Wissenschaften, insbesondere die Genetik und Gentechnik, haben manche Leser gefordert. In meinem neuen Buch Typhons Rache habe ich die Zahl der Personen reduziert. Ich beziehe mich zwar nach wie vor auf wissenschaftliche Erkenntnisse, vermeide aber weitgehend Fachausdrücke und rücke die aktuelle Politik der USA und Russlands sowie eine amerikanisch-russische Verschwörung in den Vordergrund. Die wenigen, die den Inhalt von Typhons Rache noch vor der Veröffentlichung erfuhren, halten die Geschichte für politisch aktuell und gleichermaßen spannend wie verstörend.
Erst nach Einreichung meines Manuskripts fiel mir auf, dass am Ende der Handlung abermals einige offenen Fragen bestehenbleiben. Ich weiß nicht, ob ich die Geschichte weiterführen werde. Das hängt vor allem vom Erfolg meiner beiden letzten Bücher ab.
Alle Orte des Geschehens habe ich selbst mindestens einmal besucht. Ich habe Fotoalben mit eigenen Bildern für meine Bücher im Internet bereitgestellt: www.scientific.at/typhon.
Wir danken dem Autor für die Beantwortung unserer Fragen und die Hilfe, den Text und die damit verbundenen Erfahrungen auf den Kern zu bringen. Typhons Rache von Rudolf Oeller, erschienen beim Verlag Europa Buch, verdient es, aufmerksam gelesen zu werden, weil das Buch neue Perspektiven und Wahrnehmungsmöglichkeiten eröffnet.


