Ana Paula Fanz’ Beziehungen – Einsamkeitspandemie liest sich wie ein engagiertes Plädoyer gegen die stille Verarmung unserer Bindungen in Zeiten „flüssiger“ Beziehungen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Einsamkeit nicht erst seit Corona existiert, dort aber unübersehbar wurde – beschleunigt durch soziale Medien, Optionenüberfluss und oberflächliche Kontaktlogik. Fanz schreibt aus langjähriger Beratungspraxis und verbindet Fallbeispiele, Reflexionskapitel und konkrete Leitbegriffe zu einem Arbeitsbuch, das bewusst zur Selbstbeobachtung drängt. Zentral ist ihr Gedanke, dass Beziehungen eine tragende Säule brauchen: die bewusste Entscheidung – als Gegenmittel gegen Unverbindlichkeit, Rückzug und Selbsttäuschung. Stilistisch dominiert ein direkter, appellativer Ton, der manchmal pathetisch wirkt, aber durch Klarheit und Energie überzeugt. Besonders stark sind die Passagen über Ablehnung, Projektionen und die Illusion, virtuelle Nähe könne reale Begegnung ersetzen. Gelegentlich verliert sich der Text in Wiederholungen und weiten Exkursen, doch die Botschaft bleibt prägnant: Tiefe Bindung entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Verantwortung, Grenzen und echte Kommunikation. Als literarische Prosa ist das Buch sekundär; als praktischer Kompass gegen Vereinzelung hingegen entfaltet es spürbare Wirkung. Wer bereit ist, sich hinterfragt zu fühlen, findet hier viele Anstöße für reifere, tragfähigere Beziehungen.


