Daniela Köhlers Territorialkonflikte, Religionen und der Zerfall des Kommunismus im postsowjetischen Raum ist eine politikwissenschaftliche Studie, die den Bergkarabach-Konflikt eng mit der Krise der Sowjetunion und den Dynamiken von Perestroika, Nationalitätenpolitik und Geheimdiensteliten verknüpft.
Die Arbeit entwickelt dabei einen klaren Erklärungsanspruch: Nicht nur ethnische und religiöse Gegensätze, sondern auch sowjetische Desintegration, regionale Machteliten und externe Akteure werden als konfliktverschärfende Faktoren herausgearbeitet.
Besonders interessant ist die Verbindung von geopolitischer Analyse, religionssoziologischen Beobachtungen und postsowjetischer Elitenforschung.
Der Text ist kenntnisreich, engagiert und argumentativ ehrgeizig; man spürt, dass hier ein komplexer Konflikt in größere historische Zusammenhänge eingeordnet werden soll.
Mitunter wirkt die Darstellung jedoch stark thesenorientiert und neigt dazu, Kausalitäten sehr entschieden zu formulieren, wo mehr analytische Distanz produktiv gewesen wäre.
Auch sprachlich steht weniger literarische Eleganz als der dokumentierende und erklärende Zugriff im Vordergrund.
Gerade deshalb ist das Buch vor allem als streitbarer, materialreicher Debattenbeitrag lesenswert, der den Bergkarabach-Konflikt nicht isoliert, sondern als Symptom des postsowjetischen Umbruchs begreift.


