Goerdt Abels Steinach und die Wahrheiten verbindet Unternehmensgeschichte, Autobiografie und wirtschaftspolitische Fallstudie zu einem aufschlussreichen Bericht über die deutsche Wiedervereinigung.
Im Zentrum steht die Übernahme der ostdeutschen Maschinenfabrik und Eisengießerei Steinach durch das westdeutsche Familienunternehmen Abel.
Anhand konkreter Verhandlungen, Investitionen und betrieblicher Entscheidungen zeigt der Autor, wie tief politische Umbrüche in wirtschaftliche Strukturen und persönliche Lebenswege eingriffen.
Besonders wertvoll sind die unmittelbaren Beobachtungen eines Unternehmers, der die Transformation nicht nur analysierte, sondern praktisch mitgestaltete.
Abel schreibt sachkundig, anschaulich und stellenweise mit trockenem Humor.
Die Verbindung von Dokumenten, Erinnerungen und historischen Fotografien verleiht dem Buch einen hohen Quellenwert.
Zugleich argumentiert der Autor deutlich aus unternehmerischer und ordoliberaler Perspektive, wodurch andere Deutungen der Wiedervereinigung weniger Raum erhalten.
Manche wirtschaftshistorischen Exkurse wirken ausführlicher als für die eigentliche Fallstudie notwendig.
Steinach und die Wahrheiten ist dennoch ein differenziertes Zeitzeugnis über Chancen, Fehlentscheidungen und kulturelle Spannungen im deutschen Einigungsprozess.


