Anahí Ortegas Paraguay – die vergessene Seele Südamerikas ist ein ungewöhnlich vielschichtiges Buch zwischen autobiografischem Bericht, kulturhistorischem Essay und leidenschaftlicher Landeserkundung.
Seine eigentliche Stärke liegt in der Verbindung persönlicher Erfahrung mit politischer und historischer Tiefenschärfe: Die Ankunft der jungen Erzählerin in Paraguay wird ebenso eindringlich geschildert wie Armut, Diktatur, Migration und die komplexe Geschichte des Landes.
Besonders überzeugend ist die sinnliche Sprachkraft, mit der Ortega Landschaft, Bäume, Gerüche, Stimmen und soziale Kontraste erfahrbar macht.
Der Text folgt keiner strengen Linearität, sondern einer assoziativen Bewegung, die Biografie und Geschichtsschreibung bewusst verschränkt.
Mitunter wirkt diese Fülle eher ausgreifend als formal gebändigt, doch gerade daraus bezieht das Buch seine Eigenart.
Paraguay – die vergessene Seele Südamerikas ist damit weniger klassischer Reisebericht als eine engagierte, kenntnisreiche und sehr persönliche Annäherung an ein Land, das hier nicht exotisiert, sondern in seiner Schönheit und Widersprüchlichkeit ernst genommen wird.


