Nicholas Amon Seibels Des Mordes angeklagt ist ein kurzer Schauerroman, der viktorianische Gothic-Atmosphäre mit Hexenmotiv, Aberglauben und Gerichtsrahmen verbindet.
Besonders auffällig ist die Form: Briefe, Memoiren und Geständnispassagen verschachteln sich zu einer bewusst theatralischen Erzählung.
Der Roman lebt stark von seinem Ton, der pathetisch, düster und demonstrativ altertümelnd ausfällt; darin liegt sein eigener Reiz, aber auch seine Grenze.
Wo Seibel Schnee, Wald, Verfall und religiösen Schrecken imaginiert, entstehen durchaus stimmungsvolle Bilder.
Die Figur des Roan Rókás gewinnt dabei Kontur als tragischer Außenseiter zwischen Mitleid, Schuld und Wahnsinn.
Mitunter überdeckt die sprachliche Emphase jedoch die erzählerische Präzision; Wiederholungen und starke Effekte treten deutlicher hervor als psychologische Vertiefung.
Dennoch besitzt Des Mordes angeklagt eine unverkennbare Hingabe an das Genre und an seine finstere Bildwelt.
So bleibt das Buch ein eigenwilliger, atmosphärisch dichter Gothic-Text, der weniger durch formale Eleganz als durch düstere Leidenschaft und erzählerischen Überschwang überzeugt.


