Jiovanna Kippers Das Märcheninternat – Band 2: Ein Engel oder eine Verfluchte setzt die Reihe als dynamisches Coming-of-Age-Fantasyabenteuer fort.
Nach dem Sieg über den Drachenfluch wünschen sich Lea und Caspian Normalität – doch genau diese wird ihnen entzogen, als Caspian zu einer mysteriösen Reise aufbricht.
Lea wird als vermeintliche „Brighterin“ auf die Seite der Guten versetzt und erlebt dort Ausgrenzung statt Anerkennung.
Die zentrale Frage „gut oder böse?“ wird nicht nur als Weltordnung, sondern als Identitätskonflikt erzählt: Lea ringt mit ihrer Halb-Drachen-Natur und der Angst, zur Bestie zu werden.
Stark ist der Roman in den emotionalen Freundschaftsszenen zwischen Lea und Caspian, die Wärme und Humor in die düstere Grundspannung bringen.
Die Internatswelt funktioniert als klar codierte Bühne (Darker vs. Brighter), auf der Loyalitäten, Standesdünkel und Machtspiele eskalieren.
Mit Fillip und einem rätselhaften Jungen eröffnet Kipper zudem ein Beziehungsdreieck, das Eifersucht, Unsicherheit und „wahre Liebe“ als Prüfstein ins Spiel bringt.
Tempo entsteht durch szenisches Erzählen, Konflikte im Schulalltag und eine fortlaufende Rätselspur um Direktor, Prophezeiung und verbotene Orte.
Sprachlich bleibt der Text direkt und jugendnah; die Dramatisierung ist bewusst hoch, was gut zur Zielgruppe passt.
Gelegentlich wirkt die Moralzeichnung stark kontrastiert, doch die innere Ambivalenz der Heldin fängt das überzeugend auf.
Insgesamt ist Band 2 eine mitreißende Fortsetzung über Zugehörigkeit, Selbstkontrolle und die Entscheidung, wer man sein will – jenseits von Etiketten wie Engel oder Verfluchte.


