Heute besprechen wir das Buch Geschichten über den Judenhof von Olga Kusnezowa, erschienen beim Verlag Europa Buch. Wir präsentieren hier ein Interview mit der Autorin des Buches, um die persönlichen Aspekte und die wichtigsten Erfahrungen zu verdeutlichen, die in diesem Text verdichtet sind. Wir besprechen auch die wichtigsten Themen, die die Autorin im Laufe ihres Schreibens anspricht und die sie mit ihren Leserinnen und Lesern teilen möchte.
Hier ist das Interview mit der Autorin: viel Spaß beim Lesen!
- Welche Themen und Inhalte werden von Ihnen in dem Buch angesprochen?
Themen:
Ich habe versucht, zwei wichtige Themen des Buches miteinander zu verknüpfen. Zum einem wollte ich aufzeigen, wie schwierig es ist, in einem Museum den Besuchern zu dienen und gleichzeitig seine Pflichten ordnungsgemäß zu erfüllen.
Das zweite Ziel war, dieses einzigartige Museum und Judenhof-Denkmal noch mehr einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und es einem größeren Publikum vorzustellen.
Das menschliche Verhalten ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Ich war manchmal überrascht und fasziniert davon, wie die Leute Fragen stellten und worüber sie zu bestimmten Themen diskutieren wollten.
Inhalte:
- Museum SchPIRA und der Judenhof: Eindrücke aus dem Museum SchPIRA * Erklärung des Namens „Schpira“ * Der Rundgang durch den Judenhof
- Schüler, Studenten, Junge Leute im Judenhof
- Judenhof und Stadt Speyer
- 20-Euro-Schein mit dem Hakenkreuz
- Geschichten über Hunde rund um den Judenhof: Hund auf dem Tor * Eine Frau, ihr Mann und ihr Hund
- Verschiedene Nationalitäten – verschiedene Mentalitäten: Deutsche, Russen, Juden, Amerikaner und andere Nationalitäten in Speyer und im Judenhof
- Besondere Atmosphäre im Judenhof: Kult(o)urnacht in Judenhof-Komplex * Das Jüdische Ritualbad Mikwe * SchUM-Kulturtage in Speyer und Veranstaltungen in Judenhof * „SchUM-Artist in Residence“ im Judenhof * Ein besonderer Judenhofbesuch
* Was sonst noch im Judenhof geschieht:
Im Judenhof gibt kürzlich eine weitere neue Veranstaltung: Chai Festival
- Wer sollte dieses Buch unbedingt lesen? Was möchten Sie ihm oder ihr vermitteln?
Juden und nicht Juden, Deutsche und nicht Deutsche, Frauen und Männer, ledige und verheiratete, Jugendliche und Senioren, Menschen, die ihre Hunde lieben und diejenigen, die zu Hause eine Katze haben. Sogar Astronauten können dieses Buch auf Weltraumflüge zu fernen Welten mitnehmen. Unbedingt auch diejenigen, die über die jüdische Geschichte nichts oder wenig wissen und auch diejenigen, die großes Interesse an dieser außergewöhnlichen jüdischen Gedenkstätte haben. Menschen, die kein Wissen über das Judentum haben und auch Menschen, die dieses herausragende Denkmal – Judenhof – kennenlernen möchten. Und alle andere auch – alle sollten dieses Buch unbedingt lesen.
In diesem Buch habe ich versucht, Menschen unabhängig von Nationalität oder Religion zu mehr Toleranz gegenüber anderen zu ermutigen. Anstatt alte Stereotypen auf andere zu übertragen, wäre es besser, mehr über die Geschichte anderer Völker zu erfahren.
An der Außenwand des SchPIRA-Museums kann man Auszüge aus dem Babylonischen Talmud lesen, der die Weisheit der Weisen von Mainz, Worms und Speyer enthält.
Ob diese weisen Worte einigen Menschen helfen und ihnen die richtige Richtung im Leben weisen, kann jeder für sich selbst entscheiden.
- Wann und warum haben Sie sich entschieden, dieses Buch zu schreiben?
Während meiner Arbeit im Judenhof begann ich 2023 mir Notizen zu machen. Das Verhalten der Besucher inspirierte mich zum Weiterschreiben und aus diesen kurzen Notizen entwickelten sich Kurzgeschichten. 2024 las und notierte ich historische Fakten aus Büchern und Online-Quellen. 2025 versuchte ich, diese beiden Themen miteinander zu verknüpfen.
Seitdem der Judenhof in Speyer zusammen mit den Städten Mainz und Worms im Juli 2021 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde, stellen SchPIRA Museumsbesucher deutlich mehr Fragen zur jüdischen Geschichte und zum Leben des jüdischen Volkes heute.
Das Interesse an anderen Kulturen und ihrer Geschichte hat deutlich zugenommen. Gespräche mit Besuchern des jüdischen Viertels haben mich zudem davon überzeugt, dass viele Wissenslücken und Unklarheiten weiterhin bestehen und tabu sind, was den Bedarf an weiterer Aufklärung und der Förderung des Respekts vor anderen Bräuchen und Traditionen unterstreicht.
Da manche Besucher eher oberflächliche Ansichten haben, möchte ich ihnen mit diesem Buch neue Perspektiven eröffnen.
Andererseits möchte ich im Buch auch darauf hinweisen, dass der Judenhof ein historisches Museum ist. Hier können Interessierte ihre historischen Wurzeln entdecken und ein Gefühl des Stolzes empfinden.
- Welche Emotionen möchten Sie mit Ihrem Buch bei den Lesern hervorrufen?
Das Gelände des Judenhofs ist ein besonderer Ort, an dem unsere Gäste immer wieder ihre Bewunderung zum Ausdruck gebracht haben. Auch ich habe regelmäßig das große Interesse und die positive Einstellung einiger Besucher gegenüber dem Judenhof bemerkt. Es ist auch ein Ort, der Toleranz, Geduld, Frieden und Respekt lehrt und bei den Menschen eine ganze Bandbreite an Emotionen hervorruft. Wir haben von Besuchern sehr bewegende Reaktionen erhalten. Glücklicherweise blieb die Mikwe während der andauernden Kriege von der Zerstörung verschont und ist bemerkenswert gut erhalten. Dieser außergewöhnliche Erhaltungszustand hat viele erstaunt. Nach dem Besuch der jüdischen Gedenkstätte kehren die Besucher ins Museum zurück, um ihre Eindrücke und Gefühle zu teilen.
Wir empfangen auch Besucher im Judenhof, die mit einer gewissen Skepsis und Ablehnung kommen. Das ist nicht unbedingt schlecht; wichtig ist, dass die Menschen ihre Gefühle äußern und weiter darüber nachdenken. Jeder hat ein Recht auf seine Gefühle, Gleichgültigkeit hingegen nicht.
Ich bin von Anfang an von diesem historischen Ort fasziniert und möchte meine Begeisterung mit anderen Interessierten teilen. Ein Ziel meines Buches ist es, dieses bemerkenswerte Denkmal der Öffentlichkeit näherzubringen, damit jeder den Judenhof besuchen und mehr über diese historische Stätte erfahren kann. Letztendlich muss jeder selbst erfahren, welche Gefühle dieser Ort in ihm auslöst.
- Wie haben Ihr Freundeskreis, Ihre Bekannte oder Ihre Familie auf die Buchsveröffentlichung reagiert? Stehen schon neue Projekte an?
Meine Familie war zunächst sehr überrascht, dass ich den Mut hatte ein Buchprojekt zu starten und auch bis zum Ende zu bringen. Sie ist sehr stolz auf mich und unterstützt mich in all meinen Vorhaben. Komplett neue Projekte zu entwickeln ist eine anspruchsvolle Aufgabe, besonders in unserer unglaublich schnelllebigen Welt. Wenn mir eine gute Idee kommt, werde ich sie wahrscheinlich umsetzen. Meine Familie und meine Freunde werden mir mit Rat zur Seite stehen und mich unterstützen.
Wir danken der Autorin für die Beantwortung unserer Fragen und die Hilfe, den Text und die damit verbundenen Erfahrungen auf den Kern zu bringen. Geschichten über den Judenhof von Olga Kusnezowa, erschienen beim Verlag Europa Buch, verdient es, aufmerksam gelesen und genossen zu werden, weil das neue Perspektiven und Wahrnehmungsmöglichkeiten eröffnet.


