Heute besprechen wir das Buch Zur Kritik der „Kriegskunst“ von Wilfried Metsch, erschienen beim Verlag Europa Buch. Wir präsentieren hier ein Interview mit dem Autor des Buches, um die persönlichen Aspekte und die wichtigsten Erfahrungen zu verdeutlichen, die in diesem Text verdichtet sind. Wir besprechen auch die wichtigsten Themen, die der Autor im Laufe seines Schreibens anspricht und die er mit seinen Leserinnen und Lesern teilen möchte.
Hier ist das Interview mit dem Autor: Viel Spaß beim Lesen.
- Welche Themen und Inhalte werden von Ihnen im Buch angesprochen?
Schon vor mehr als 2000 Jahren erkannte der griechische Philosoph Aischylos: „Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer“. Diese Erkenntnis ist heutzutage – angesichts medialer Verschleierungs-techniken bei militärischen Konflikten – von enormer Bedeutung. Sogar Waffen- und Sprengstofflieferungen werden als „humanitäre Hilfe“ der Bevölkerung verkauft. Im Zentrum des Buches stehen aber nicht nur Mechanismen der Kriegspropaganda, die Manipulation von Kriegsbegründungen und die Indoktrinierung von Feindbildern, sondern die historisch verschiedenen Kriegsformen (z.B. inter- und intrakulturelle – symmetrische und asymmetrische Kriege, Kolonial- und Guerillakriege sowie der Nuklearkrieg). Diese werden kritisch dargestellt und hinterfragt, um BürgerInnen bei friedenspolitischem Engagement zu unterstützen.
Ein weiterer Hauptteil des Buches befasst sich mit den von Militärtheoretikern und Strategen dargestellten Maximen/Prinzipien der sog. „Kunst des Krieges“. Solche Kriegsweisen – wie z. B. Umfassung/Einkesselung oder schiefe Schlachtordnung oder Präventivkrieg – werden oft von Militärs dogmatisiert und als seeligmachende Aktion gepriesen. Anhand vieler historischer Beispiele analysiere ich diese sog. Kriegsführungskunst kritisch und belege nicht nur ihre seltenen Erfolge, sondern auch ihr oftmaliges Versagen.
Die zunächst indirekte und jetzt offensichtliche direkte Kriegsbeteiligung der BRD im Ukrainekrieg ist ein weiteres Thema des Buches.
Leitmotiv beim Verfassen des Buches war für mich die Erkenntnis des Militärhistorikers Liddell Hart: „Wenn Du den Frieden willst, studiere den Krieg“.
- Wer sollte dieses Buch unbedingt lesen? Was möchten Sie ihm oder ihr vermitteln?
Im Buch wird die klassische Frage von „Krieg und Frieden“ aufgeworfen. BürgerInnen als Entscheidungsträger – zumindest bei politischen Wahlen – sollten hierzu gut informiert sein, um bei solchen existenziellen Herausforderungen kompetent mitbestimmen zu können. Das Buch will in diesem Sinne militärische Kenntnisse in friedenspolitischer Absicht vermitteln. Es klärt kritisch über Ziele, Mittel, Erscheinungsformen …des Krieges auf und soll friedensbewegten Menschen eine Hilfe für argumentative Auseinandersetzungen mit Militärs sein.
Insbesondere richtet es sich an junge Menschen, die von der aktuellen Wehrerfassung betroffen sind und es soll Kriegsdienstverweigerern helfen – falls nötig – ihren Entschluss in der öffentlichen Debatte begründen zu können.
Selbstverständlich sollten gerade auch Bundestagsabgeordnete sich mit den Inhalten des Buches auseinandersetzen, denn sie entscheiden letzlich gemäß Grundgesetz über „Krieg oder Frieden“! Und in dieser aktuellen Frage könnten sie – unabhängig von Parteiräson – allein aufgrund ihres Gewissens ihre Stimme abgeben.
- Wann und warum haben Sie sich entschieden, dieses Buch zu schreiben?
Die Entscheidung zum Schreiben des Buches fiel schrittweise nach 2023/24 als der damalige SPD-Kanzler Olav Scholz einen radikalen Kurswechsel in der Militär- und Sicherheitspolitik der BRD – die viel beschworene „Zeitenwende“ angesichts der russischen militärischen „Spezialoperation“ gegen die Ukraine – ausrief und wenig später der Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit seiner Forderung nach „Kriegstüchtigkeit“ in Deutschland einen militärischen Hype auslöste. Selbst in ihrer eigenen Partei stießen beide Begriffe auf Unverständnis, da sie historisch diskreditiert sind: Insbesondere J. Goebbels (Nazi-Propagandaminister) benutzte sie regelmäßig in seinen Hassreden seit 1942, um gegen die russische Sowjetunion die Kampfbereitschaft von Armee und Volk zu stärken. Scholz/Pistorius bestanden trotzdem auf diesen Begriffen und verabschiedeten sich vom grundgesetzlichen Begriff „Verteidigungsfähigkeit“! Dieser Wortwechsel ist keine Wortglauberei, denn ein Krieg beinhaltet nicht nur Verteidigung, sondern ebenso Angriff, wie wir seit dem Kriegstheoretiker Carl von Clausewitz unumstößlich wissen. „Kriegstüchtigkeit“ bedeutet also auch eine Legitimation des Angriffs, der Offensive, nicht nur der Defensive/Verteidigung. Und die Absicht von Kanzler Merz und „Verteidigungsminister“ Pistorius die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Macht in Europa auszubauen (siehe Regierungserklärung), um erneut hegemoniale Führungsmacht in Europa zu werden, waren Schreibmotivation für mich.
In den letzten 3 Jahren erfolgte einerseits eine alle bisherigen Maße sprengende militärische Aufrüstung mit mehr als Verdoppelung des „Verteidigungshaushalts“ und zusätzlichem „Sondervermögen“ für die Bundeswehr von 100 Milliarden Euro sowie auch die militärische Inanspruchnahme des sog. „zivilen“ Infrastruktursondervermögens (500 Mrd. Euro). Unter dem Deckmantel des Programms finden z. B. militärstrategisch Brückensanierungen (für schwere Panzer…), die Einbeziehung ziviler Hilfsorganisationen in den sog. „Heimatschutz“ im Kriegsfall oder die spezielle Neuausstattung von Krankenhäusern für Kriegsversehrte oder logistische militärische Einrichtungen statt. Diese und viele andere Maßnahmen sind aufgelistet in einem geheimen Rahmenplan „Operationsplan Deutschland“ (OPLA-DEU), der über 1000 Seiten dick ist und dessen Inhalt nicht mal die Bundestagsabgeordneten kennen.
Ein weiterer wesentlicher Grund beim Schreiben war und ist die anhaltende finanzielle und militärische „Unterstützung“ der Ukraine mit schwindelerregenden Milliardenkrediten, Waffenlieferungen sowie direkter ukrainischer Soldatenausbildung hauptsächlich durch die BRD und die EU, nachdem die USA ihren Rückzug verkündet haben. Ohne diese „Hilfe“ könnte die Ukraine nicht existieren. Faktisch ist die BRD zwischenzeitlich Hauptkriegsbeteiligter am Krieg gegen Russland. Es finden bereits schon gemeinsame Militärübungen/Ausbildungen und Rüstungsprojekte mit der Ukraine statt, obwohl die Ukraine weder NATO noch EU-Mitglied ist und die NATO simulierte mehrere strategische Kriegsoperationen direkt gegen Russland bei denen mit tausenden von Toten und einem Blitzaufmarsch von zusätzlichen 600.000 NATO-Soldaten kalkuliert wurde. Die Wahrscheinlichkeit eines konventionellen oder gar nuklearen „Großen Krieges“ rückt tagtäglich näher und auch deswegen musste ich dieses Buch schreiben.
- Welche Emotionen möchten Sie mit Ihrem Buch bei den Lesern hervorrufen?
Eigentlich ist das Buch eher rational-aufklärerisch aufgebaut, denn Emotionen – z.B. im Kriegsfall – sind eine zwiespältige Sache: Auf der einen Seite Euphorie, Glück, Vergebung – auf der anderen Seite Rache, Vergeltung, Furcht.
Als Emotionen möchte ich hingegen mit dem Buch den unbedingten Willen zum Frieden, zum Gewaltverzicht und zu Verhandlungslösungen stärken. Lieber eine Prise mehr Skepsis gegenüber dem Militär als vertrauensseelige Hinnahme aller ihrer angeblich immer notwendigen Maßnahmen. Dies bedeutet keine Diskriminierung des Militärs an sich, sondern verweist nur darauf, dass Militärs gern unter dem Mantel der Geheimhaltung Eigeninteressen verfolgen. Und bei Kriegen geht es nicht um eine Entscheidung von ein oder zwei Prozent mehr Lohn, sondern hier geht es um eine Frage von Leben und Tod, ja der möglichen Existenz oder Auslöschung von Nationen im atomaren Zeitalter.
Meine Eltern, damals im 2. Weltkrieg gerade mal 18-20 Jahre alt, gaben mir 1948 – angesichts der Schrecken des weltweiten Krieges – den schönen Vornamen „Wilfried“! Diesem Namen möchte ich die Treue halten.
- Wie haben Ihr Freundeskreis, Ihre Bekannte oder Ihre Familie auf die Buchveröffentlichung reagiert? Stehen schon neue Projekte an?
Da das Buch erst seit Mitte Juli 2026 gedruckt vorliegt, waren Reaktionen noch nicht möglich. Aber ich kann versichern, dass ich als nächstes Projekt die Kriegsverschärfungen
- seit dem USA-Iran-Krieg 2026,
- den Gewaltkonflikt um Gaza und Libanon
- und insbesondere die gewaltige Aufrüstung der BRD mit der erstmaligen Abfassung – nach 1945 – einer geheimen deutschen „Militärstrategie“ unter Pistorius (2026)
- die Einrichtung eines geheim tagenden Nationalen Sicherheitsrats im Bundeskanzleramt plus angeschlossenem KI-Sicherheitsinstitut (2025/26) sowie
- den unter Frage 3 schon erwähnten „geheimen OPLA-DEU“
näher unter die Lupe nehmen werde.
Auch die schon erwähnte gigantische Hochrüstung Deutschlands mit der Konsequenz von wachsender Verschuldung und rigidem Sozialabbau sowie die immer tiefere Verwicklung Deutschlands in einen möglichen Krieg mit Russland sollen Thema der nächsten Bucherscheinung sein.

Wir danken dem Autor für die Beantwortung unserer Fragen und die Hilfe, den Text und die damit verbundenen Erfahrungen auf den Kern zu bringen. Zur Kritik der „Kriegskunst“ von Wilfried Metsch, erschienen beim Verlag Europa Buch, verdient es, aufmerksam gelesen zu werden, weil das Buch neue Perspektiven und Wahrnehmungsmöglichkeiten eröffnet.


