Uwe Enzmanns Mein Sohn und die Drogen ist kein distanzierter Bericht, sondern ein Trauerbuch mit dokumentarischem Puls: ein Vater schreibt gegen das Verstummen an. Im Zentrum steht Timmy, ein junger Mann, der zwischen Cannabis, weiteren Drogen, Depressionen und psychotischen Episoden immer wieder um Halt ringt – bis er mit nur zwanzig Jahren stirbt. Der Text gewinnt seine Wucht aus der doppelten Perspektive: der hilflosen Liebe des Vaters und den Selbstzeugnissen des Sohnes, die wie ein letzter Versuch wirken, Ordnung ins Chaos zu bringen. Enzmann erzählt in einer rohen, unmittelbaren Sprache, die mehr bekennt als gestaltet; literarische Glättung würde hier wie Verrat wirken. Gerade die Unfertigkeit – Abschweifungen, Wiederholungen, abrupte Brüche – spiegelt die Realität einer Familie, die im Ausnahmezustand lebt. Das Buch zeigt Sucht nicht als „Fehler“, sondern als Prozess aus Sehnsucht, Gruppenzugehörigkeit, Überforderung und Eskalation. Zugleich ist es ein stiller Anklagetext gegen Verharmlosung und gegen Systeme, die Angehörige oft allein lassen. Wer ästhetische Perfektion sucht, wird stolpern; wer Wahrhaftigkeit aushält, liest ein erschütterndes Zeugnis, das lange nachhallt.


