Martha Puhanis Hallo, Skeptiker ist ein ungewöhnlicher, zugleich zärtlicher und streitlustiger Glaubenstext: kein theologisches Lehrbuch, sondern ein poetisch-argumentatives Zwiegespräch mit jenen, die Religion eher als Zumutung denn als Ressource erleben. In kurzen Prosastücken und gereimten Passagen spricht die Autorin den „Skeptiker“ direkt an und dreht den gängigen Fortschrittsmythos um: Nicht die Moderne mache Glauben schwerer, sondern die Annahme, Wissenschaft werde „irgendwann“ alles erklären, sei selbst eine unbegründete Extrapolation. Auffällig ist die originelle Verzahnung von Physikbildern (Relativität, Entropie, Dimensionen) mit spirituellen Fragen nach Sehnsucht, Sinn und Menschenwürde; das Buch will zeigen, dass Rationalität und Transzendenz kein Widerspruch sein müssen. Überzeugend gerät es dort, wo es Alltagsbeobachtung in existentielle Erfahrung kippen lässt: Musik, Natur, Babyblicke als Hinweise auf ein „Mehr“. Stilistisch lebt der Band von Rhythmus, Pointen und dem Wechsel zwischen Ernst und heiterem Kabarettton, wodurch die Apologetik leichtfüßig bleibt. Gelegentlich wirkt die Zuspitzung thesenhaft, doch als Einladung zum Nachdenken funktioniert sie gerade durch ihre Klarheit. Hallo, Skeptiker ist damit weniger ein Beweisgang als ein Gesprächsangebot: eine poetische Ermutigung, die Frage nach Gott nicht aus Bequemlichkeit zu beenden, sondern als offene Prüfung zuzulassen.


