Joachim Volkes nl 3771 – „Schreibst du mir, schreib ich dir“ ist eine außergewöhnliche Dokumentensammlung über Jugend, Sehnsucht und Kommunikation in der DDR.
Ausgangspunkt ist eine Kontaktanzeige aus dem Jahr 1980, auf die 35 junge Frauen aus unterschiedlichen Regionen und sozialen Milieus antworteten.
Die literarische Wirkung entsteht weniger durch eine gestaltende Autorenstimme als durch die unmittelbare Sprache der Briefe.
Selbstvorstellungen, Berufswünsche, Hobbys und Hoffnungen verdichten sich zu einem vielstimmigen Porträt einer Generation.
Besonders wertvoll ist die Gegenüberstellung von Abschriften und originalen handschriftlichen Dokumenten, deren Gestaltung zusätzliche Individualität sichtbar macht.
Manche Schreiben ähneln sich in Aufbau und Inhalt, doch gerade diese Wiederholungen machen gesellschaftliche Konventionen und gemeinsame Sehnsüchte erkennbar.
Der Band bewahrt Orthografie und Grammatik weitgehend unverändert und erhält damit den authentischen Charakter seiner Quellen.
So entsteht ein stilles, berührendes Zeitdokument, das private Kontaktaufnahme zugleich als Sozialgeschichte lesbar macht.
Das Buch erinnert eindrucksvoll daran, wie viel Erwartung, Sorgfalt und Persönlichkeit einst in einem einzigen Brief liegen konnten.


