Gerd Schmidt-Eichstaedts Die Macht des Zufalls ist ein weit ausgreifender Essay, der Physik, Biologie, Informationstheorie und Philosophie zu einer Theorie des Möglichen verbindet.
Ausgangspunkt ist die provokante These, dass Zufall nicht bloß Störung, sondern eine grundlegende schöpferische Kraft des Universums sei.
Besonders ambitioniert ist der Versuch, vom Urknall über Evolution und Informationsverarbeitung bis zur menschlichen Willensfreiheit eine durchgehende Argumentationslinie zu entwickeln.
Der Autor schreibt klar, systematisch und mit sichtbarer Freude am interdisziplinären Denken.
Seine Stärke liegt in der Fähigkeit, komplexe Sachverhalte durch Modelle und anschauliche Beispiele zugänglich zu machen.
Zugleich überschreitet das Buch bewusst die Grenzen gesicherter Forschung und kennzeichnet zentrale Passagen als Hypothesen oder Spekulationen.
Mitunter wirkt die Argumentation sehr konstruktivistisch und versucht, heterogene Wissensfelder stärker zu vereinheitlichen, als deren Eigenlogik erlaubt.
Gerade dieser intellektuelle Wagemut macht den Essay jedoch reizvoll.
Die Macht des Zufalls ist ein anspruchsvoller, streitbarer und anregender Beitrag zur alten Frage, wie aus Notwendigkeit Freiheit entstehen kann.


