Federico Sorbellis Gefangen!!! Im Sumpf des Alkohols ist ein schonungslos offener Erfahrungsbericht über Abhängigkeit, Selbstbetrug und die mühsame Rückkehr ins Leben.
Ausgangspunkt ist ein Schockmoment: ein Zusammenbruch im November 2020, der im Wachkoma endet – und als radikaler Wendepunkt erzählt wird.
Sorbelli rekonstruiert den langen Vorlauf, in dem Alkohol sich „tückisch“ seit der Kindheit in den Alltag schiebt, zunächst beiläufig, dann als festes System.
Besonders eindringlich sind die Passagen, die das Funktionieren im Beruf (Gastronomie, Selbständigkeit, Leistungsdruck) als Bühne des Verdrängens zeigen.
Der Text arbeitet weniger literarisch raffiniert als existenziell: kurze, direkte Sätze, Wiederholungen, ein Ton zwischen Beichte und Weckruf.
Dabei entsteht ein klares Bild der Kettenreaktionen: Jobverlust, Schulden, zerbrechende Beziehungen, familiäre Erschöpfung – und dennoch wiederkehrende Hoffnung.
Stark ist, dass der Autor Verantwortung nicht delegiert, sondern die Mechanismen der Sucht als innere und soziale Dynamik sichtbar macht.
Eingestreute Fakten zur gesellschaftlichen Dimension von Alkoholkonsum geben dem Persönlichen einen größeren Resonanzraum.
Zentral wird die Einsicht, dass „allein schaffen“ oft eine Illusion ist: Hilfe annehmen, Therapie beginnen, Rückfälle als Risiko mitdenken.
Berührend wirkt die Widmung an die Familie und an jene Menschen, die ihn zum Schritt in den Entzug bewegt haben.
Als Lektüre ist das Buch weniger Kunstprosa als Dokument – aber gerade diese Unmittelbarkeit entfaltet Wucht.
Ein aufrüttelndes Zeugnis, das Betroffene und Angehörige gleichermaßen adressiert: mit Härte, aber auch mit dem Versprechen, dass Ausstieg möglich ist.


