Heute besprechen wir das Buch Sieben Himmelswunder von Sonja Gebhart, erschienen beim Verlag Europa Buch. Wir präsentieren hier ein Interview mit der Autorin des Buches, um die persönlichen Aspekte und die wichtigsten Erfahrungen zu verdeutlichen, die in diesem Text verdichtet sind. Wir besprechen auch die wichtigsten Themen, die die Autorin im Laufe ihres Schreibens anspricht und die sie mit ihren Leserinnen und Lesern teilen möchte.
In ‘Sieben Himmelswunder’ erzählt Sonja Gebhart von einem Verlust, der alles verändert: dem Tod ihres Sohnes.Mit ehrlicher Sprache, großer Stärke und tiefem Mitgefühl nimmt sie die Leserinnen und Leser mit auf ihren Weg zurück ins Leben zwischen Schmerz, Erinnerungen und dem Wunder neuer Hoffnung. Ein aufrüttelndes und zugleich tröstliches Buch über Trauer, Liebe und die Kraft, wieder aufzustehen. Für alle, die einen nahestehenden Menschen verloren haben und für jene, die ihnen beistehen wollen.
Hier ist das Interview mit der Autorin: viel Spaß beim Lesen!
1. Welche Themen und Inhalte werden von Ihnen in dem Buch angesprochen?
Die Themen Suizid und hinterbliebene Angehörige. Auch der Umgang mit Trauernden, dies ist, glaube ich, ein besonders schwieriges Thema, da sowohl Trauer, als vor allem auch Suizid immer noch tabuisiert und stigmatisiert werden. Als Betroffene würde ich mir wünschen, dass die Menschen das ansprechen. Selbst auf die Gefahr hin, dass man anfängt zu weinen oder einfach nur vollkommen hilflos da steht. Eine stille Umarmung, ein liebevoller Blick, einfach die Anteilnahme zu spüren, tut schon gut.
Ich habe mich in manchen Situationen so sehr einsam gefühlt, dass es fast schon weh getan hat. Vielleicht kann es zu mehr Verständnis führen, wenn jemand anfängt, offen darüber zu sprechen.
Die Enttabuisierung und Entstigmatisierung sind für mich persönlich sehr wichtige Themen. Es gibt so viele Betroffene, es kann doch nicht sein, dass jede/r für sich im stillen Kämmerlein trauert und sich nicht traut, darüber zu sprechen. Auch die Sensibilisierung für psychische Erkrankungen ist mir wichtig.
Leider erlebe ich immer wieder, dass Äußerungen kommen, wie:
“Der/die ist ja nicht krank, da fehlt es ja nur psychisch”.
Oder: “Psychische Erkrankungen sind bei weitem nicht so schlimm wie Krebs. Krebs kann tödlich enden.” Psychische Erkrankungen nicht?? Das sieht man leider an den vielen Suizidopfern jedes Jahr.
Wie schmerzhaft so etwas für Betroffene und Angehörige sein kann, ist unvorstellbar.
Es ist niemandem zu wünschen, so etwas selber erleben zu müssen.
2. Wer sollte dieses Buch unbedingt lesen? Was möchten Sie ihm oder ihr vermitteln?
Hinterbliebene Angehörige, Trauerbegleiter/innen, nahestehende Personen, Ersthelfer, Verwandte, Freunde, die eine Person durch Suizid verloren haben.
Und natürlich alle, die dieses Thema auch als nicht Betroffene interessiert.
Meine Botschaft lautet:
Hinhören, hinspüren, hinfühlen.
Jede Äußerung in Richtung Lebensmüdigkeit sollte sehr ernst genommen werden. Natürlich kann man nicht ständig anwesend sein, aber man kann Angebote machen.
Ein gemeinsamer Spaziergang, Essen kochen, putzen, telefonieren, zusammen Hilfe suchen, Arztbegleitung usw.
Es gibt verschiedene Dinge, die manche Betroffenen selbst nicht mehr bewerkstelligen können. Wo sie froh um jede noch so kleine Unterstützung sind.
Auch negative Äußerungen, sei es um Lebensgewohnheiten, Religion, sexuelle Ausrichtung usw., sollte man sich ersparen. Das reißt die Betroffenen nur noch tiefer in die eh schon große Verzweiflung. Und es hilft keinem.
Doch möchte ich auch Mut machen. Es dauert sehr lange, bis man sich mit dem Geschehenen abfinden kann. Es muss akzeptiert werden, da bleibt gar keine andere Möglichkeit. Nach dem anfänglichen Schock und der tiefen Trauer kommen auch wieder kleine Freuden und Sonnenstrahlen ins Leben. Anfangs kann man damit kaum umgehen. Es kommt einem so falsch vor, wieder zu lachen oder sich zu freuen.
Im Laufe der Zeit kommen viele Dinge in den Sinn, die man zusammen mit dem Verstorbenen gemacht hat, das entlockt manchmal ein Lächeln. Man freut sich über gemeinsam verbrachte Zeit und wird dankbar für so vieles.
3. Wann und warum haben Sie sich entschieden, dieses Buch zu schreiben?
Einige Zeit nach dem Tod meines Sohnes kam mir der Gedanke, eine bleibende Erinnerung für ihn zu schaffen. Es hat zwar noch einige Zeit gedauert, bis es soweit war, aber die vielen schönen Begebenheiten und Erlebnisse wollte ich nicht nur für mich allein behalten. Zumal mir das alles sehr in meiner Trauer geholfen hat. Und vielleicht kann es auch für andere Betroffene eine Hilfe sein, langsam wieder das Gute und Schöne im Leben zu sehen.
Die vielen Zeichen, die ich von meinem Sohn bekommen habe, waren für mich ein Wegweiser in sehr schwierigen Situationen.
Auch aus Dankbarkeit all den Menschen gegenüber, die für mich in dieser schweren Zeit da waren, wollte ich das Buch schreiben.
In tiefer Verbundenheit für diese wertvollen Begegnungen durfte dieses Werk entstehen.
Dann gab es noch diese besondere Begegnung mit Petra Hillebrand, die mich ermutigt hat, meine Geschichten aufzuschreiben. Sie hat mich auch bei verschiedenen Problemen unterstützt. Dafür bin ich wirklich dankbar. Dadurch konnte ich meinen Plan in die Tat umsetzen.
4. Welche Emotionen möchten Sie mit Ihrem Buch bei den Lesern hervorrufen?
Vor allem Einfühlungsvermögen.
Aber auch wichtige Emotionen, was den Umgang als Hinterbliebene betrifft:
Dass man sich öffnen kann, sich trauen kann, mit anderen darüber zu sprechen.
Dass man seine Gefühle zeigen darf, auch in „unpassenden Momenten“, auch wenn andere sagen, jetzt müsste es doch aber mal gut sein. Versteckt eure Emotionen nicht, sonst drängen sie irgendwann mit aller Kraft nach aussen. Dann beginnt auch der Körper, krank zu werden.
Alles, was man unter „den Teppich kehrt“, sorgt eines Tages dafür, dass man diesen riesigen Hügel nicht mehr überwinden kann.
Nahestehende und vertraute Personen haben Verständnis für spontane Heulkrämpfe, für momentan keine Lust, unter Menschen zu sein, für sprachlose Begegnungen und für viele andere Unzulänglichkeiten.
Dies alles zu unterdrücken, nur um andere nicht damit zu belasten, kann schnell zum gefährlichen Eigentor werden.
5. Wie haben Ihr Freundeskreis, Ihre Bekannte oder Ihre Familie auf die Buchsveröffentlichung reagiert? Stehen schon neue Projekte an?
Es haben alle sehr positiv reagiert, sie haben sich mit mir gefreut. Vor allem auch, da sie gemerkt haben, dass mir das Schreiben sehr gut getan hat und eine große Hilfe bei der Trauerarbeit war.
Es ist für mich eine spezielle Form der Trauerhilfe, die ich auch von allen im Buch erwähnten Personen erhalten durfte.
Natürlich durchlebt man auch schlimme Situationen dadurch noch einmal oder auch mehrmals, aber das hilft dabei, einen anderen Blickwinkel für vieles zu bekommen.
Ich bin jedenfalls glücklich, dass ich mich „getraut“ habe.
Es ist doch ein sehr intimer Einblick in mein Leben.
Es stehen momentan noch in Gedanken neue Projekte an, inwieweit sich das dann verwirklichen lässt, kann ich derzeit nicht sagen.
Ideen sind einige vorhanden, und jeder Tag bringt neue Möglichkeiten und Geschenke, die ich dankbar annehme.
Wir danken der Autorin für die Beantwortung unserer Fragen und die Hilfe, den Text und die damit verbundenen Erfahrungen auf den Kern zu bringen. Sieben Himmelswunder von Sonja Gebhart, erschienen beim Verlag Europa Buch, verdient es, aufmerksam gelesen und genossen zu werden, weil das neue Perspektiven und Wahrnehmungsmöglichkeiten eröffnet.


