Heute besprechen wir das Buch Die Eule der Minerva von Hermann Rapps, erschienen beim Verlag Europa Buch. Wir präsentieren hier ein Interview mit dem Autor des Buches, um die persönlichen Aspekte und die wichtigsten Erfahrungen zu verdeutlichen, die in diesem Text verdichtet sind. Wir besprechen auch die wichtigsten Themen, die der Autor im Laufe seines Schreibens anspricht und die er mit seinen Leserinnen und Lesern teilen möchte.
Mainfranken, das „kurze 20. Jahrhundert“ und ein Gasthof mit Geschichte – in seinem vielschichtigen Roman Die Eule der Minerva erzählt Hermann Rapps vom Wandel einer Familie und eines ganzen Dorfes. Mit leiser Ironie und feinem Gespür für das Tragikomische des Alltags verwebt der Autor Erinnerung, Zeitgeschichte und persönliche Schicksale zu einem dichten Generationenporträt. Ein literarischer Abgesang auf alte Gewissheiten – und ein poetischer Versuch, Sinn im gelebten Chaos zu entdecken. Für Leserinnen und Leser, die das Große im Kleinen erkennen wollen.
Hier ist das Interview mit dem Autor: Viel Spaß beim Lesen.
- Welche Themen und Inhalte werden von Ihnen in dem Buch angesprochen?
Ein Zeit- und Dorfroman wird vorgelegt, in dem die Wirtschaftswunderzeit nach dem Zweiten Weltkrieg im Zentrum steht. Es ist die Zeit, in welcher das aus der Zeit gefallene Dorf ins Heute katapultiert wird und so die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen ausläuft. Wie in einem Brennspiegel wird dieser Ausgang des “alten” Dorfes in die neue Welt des Unländlichen im alteingesessenen Dorfgasthaus “Zum Goldenen Ochsen” aufgefangen, dessen Gastwirtsehepaar auch im Gefolge des Wandels schließlich Ehe und herkömmliche Existenz verliert. Die Kinder nutzen die neuen Freiheiten, schaffen einen Neuanfang, wovon eines, der Erzähler, seinen Weg in die Stadt findet. Insofern behandelt der Roman Um- und Aufbrüche, auch als Familiengeschichte um einen fiktiv-biographischen Erzähler. - Wer sollte dieses Buch unbedingt lesen? Was möchten Sie ihm oder ihr vermitteln?
Der Roman ist für Leserinnen und Leser gedacht, die anderes lesen wollen als Krimis und Thriller, anderes als romaneske Beschwörungen vergangener oder künftiger Zeiten, anderes als Ausblühungen problematischer Bewusstseinszustände, anderes als das schiere Schwelgen in subjektiven Gefühlen. Nein, hier wird Geschehen erzählt. Natürlich geht es in diesem Roman über Land und Zeit auch um zwischenmenschliche Beziehungen, mithin um Gefühle in ihrer ganzen Totalität, aber sie bleiben eingebunden in die Prosa ländlichen Lebens, in das allgemeinmenschliche Ringen um das richtige Verhältnis von Freiheit und Verantwortung; eine Frage, die sich überall und immer stellt und letztlich ein Herabstimmen eigener subjektiver Antworten unabdingbar macht, will man in einer humanen Welt gemeinsam bestehen. Immerwährende Schmerzfreiheit gibt es nicht, kann es auch nicht in der sich wandelnden Welt des Dorfes geben. Dies ist eine Lehre im vorliegenden Roman, der freilich auch dem Heiteren der Kunst kann. Der Verfasser will so dem alten literarischen Imperativ gehorchen, nützen und erfreuen zu wollen. Für Menschen, die auf diesen Leitsatz halten und auch Humor besitzen, für die ist der Roman geschrieben, der erzählen will. - Wann und warum haben Sie sich entschieden, dieses Buch zu schreiben?
Ein neuer Lebensabschnitt stand an und hat mir Zeit gegeben, das zu tun, woran ich immer schon Interesse hatte: zu erzählen von einer nahezu verlorenen Welt, eine Geschichte des “alten” Dorfes. An dieses Dorf in seiner herkömmlichen Ländlichkeit möchte ich erinnern, ohne inszenierte Bilder falscher Dorfromantik zu bemühen, ohne die letztendliche Transformation des ländlichen Raumes im kurzen zwanzigsten Jahrhundert aus dem Blick zu verlieren. Darum soll es in dem Roman gehen, aber vor allem um die dortigen Menschen. Was ich so vorlegen möchte, ist also kein Genreroman, der sich in Dorf und Zeit erschöpft, sondern einen ländlichen Gesellschaftsroman, dessen menschliche Zutaten nicht anders sein können als im sonstigen Leben, auch wenn im vorliegenden Roman ländliches Sein und Denken ihren Tribut fordern, den gehörig einzufügen, die Herkunft des Verfassers verbürgen soll. - Welche Emotionen möchten Sie mit Ihrem Buch bei den Lesern hervorrufen?
Natürlich geht es in dem Roman um erzählte Emotionen, um Freude und Leid, um Hoffnungen und Enttäuschungen, wie sich das in einem Roman über das Leben von Menschen fügen muss. Mithin bietet der Roman eine Beziehungsgeschichte mit ihren auch zu Herzen gehenden Fährnissen im Kleinen und Großen, ohne dabei freilich das Lebensbejahende des Erzählens aus den Augen zu verlieren. Einer zu heftigen emotionalen Angegriffenheit der Leserinnen und Leser will dabei auch ein gerütteltes Maß an Ironie vorbeugen, genauso wie das retrospektivische, mithin zukunftspositive Erzählen, wofür sinnbildlich die Eule der Minerva steht, die erst im Nachhinein der Nacht das Knäuel der Ereignisse des vorigen Tages zu entwirren und darin einen Sinngehalt zu erkennen weiß. - Wie haben Ihr Freundeskreis, Ihre Bekannten oder Ihre Familie auf die Buchveröffentlichung reagiert? Stehen schon neue Projekte an? Wie Reaktionen andeuteten, hatte man wohl Anderes erwartet, eine Geschichte des Heimatdorfes etwa. Dass stattdessen ein vielschichtiger Roman vorgelegt wurde, löste anfänglich Irritationen aus, die dann aber einer lebhaften Diskussion wichen, die sich auch an der Tatsache abarbeitet, dass dieser Roman wie jede Literatur immer etwas von Autobiographie ist. Mag diese Form des Authentischen auch mit der Fiktion ein unentwirrbares Knäuel bilden, das nur Literatur sein will, sie kann dennoch befremden. Konkrete Planungen zu Folgeprojekten gibt es derzeit nicht. Der vorliegende Roman will noch nachgearbeitet sein.
Wir danken dem Autor für die Beantwortung unserer Fragen und die Hilfe, den Text und die damit verbundenen Erfahrungen auf den Kern zu bringen. Die Eule der Minerva von Hermann Rapps, erschienen beim Verlag Europa Buch, verdient es, aufmerksam gelesen zu werden, weil das Buch neue Perspektiven und Wahrnehmungsmöglichkeiten eröffnet.


